Thema Schulter
Die Kalkschulter
12. März 2025

Ein hoher Anteil an Patienten in unserer Kölner orthopädischen Privatpraxis am Stadtwald stellt sich mit Schulter- und Oberarmschmerzen vor. Schulterschmerz ist jedoch nicht gleich Schulterschmerz. Die Symptomatik hat viele Facetten:
Eine der Ursachen für Beschwerden im Bereich der Schulter ist die sogenannte Kalkschulter oder auch Tendinosis calcarea. Hierbei kommt es zu Ablagerungen von Kalk im Bereich der Sehnen der Rotatorenmanschette. Dies kann zu Schmerzen unterschiedlicher Stärke im Schulter- und Oberarmbereich führen. Kalkablagerungen können allerdings auch komplett stumm und ohne Symptome bleiben.
Ursachen der Kalkschulter
Die genaue Ursache ist noch nicht abschließend geklärt. Die heutige Theorie geht davon aus, dass es durch Durchblutungsstörungen im Bereich der Sehnen des Schultergürtels (Rotatorenmanschette) zu Ablagerungen von Calcium-Kristallen kommt. Diese Minderdurchblutung kann spontan oder durch eine Sehnenverdickung z.B. überlastungsbedingt entstehen. Die Folge ist ein Umbau der Sehnenzellen in Kalkablagerungen. Andere Erklärungsansätze sehen degenerative, verschleißbedingte Sehnenveränderungen als Ursache.
Der Altersgipfel liegt zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Es erkranken mehr weibliche als männliche Patienten. In ca. 10-20% der Fälle tritt eine Verkalkung beidseitig auf, muss aber nicht beidseits symptomatisch werden. Die Ablagerungen können unterschiedliche Dichte und Größe erreichen.
Symptome
Wie bereits erwähnt, muss eine Kalkablagerung nicht zwingend zu Symptomen führen. In ca. 50% der Fälle kann die Erkrankung stumm bleiben.
Der Schmerzbeginn kann schleichend sein, zu einer wechselnden Schmerzintensivität führen und im Verlauf stetig zunehmen. Häufig kommt es jedoch zu akuten – quasi aus dem Nichts heraus – äußerst starken Symptomen mit gleichzeitigen Bewegungsschmerzen. Der Schmerz strahlt dabei meist bis in den Oberarm aus, kann aber auch bis in die Hand ziehen. Sekundär kommt es häufig auf Grund von Verspannungen zu Schmerzen im Nackenbereich. Ein weiteres typisches Merkmal sind nächtliche Schmerzen.
Verlauf
Grundsätzlich besteht bei dem Krankheitsbild die Möglichkeit der Selbstheilung.: Es kann zu einer vollständigen, selbstständigen Auflösung des Kalkdepots kommen. Dieser Prozess kann sich allerdings über mehrere Jahre hinziehen und wiederholte Schmerzepisoden einschließen.
Die Schmerzintensität korreliert in der Regel mit der Größe und der Dichte der Ablagerungen des Kalkdepots und mit der jeweiligen „Aktivität“ des Depots. Es besteht häufig ein phasenförmiger Verlauf (Beginn der Verkalkung, Stadium des Kalks, Auflösung der Verkalkung). Dabei kommt es in den unterschiedlichen Stadien zu unterschiedlichen Beschwerden. Je größer die Ablagerungen, desto eher entstehen stechende Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Insbesondere in der letzten Phase der zu teilweise extremen Schmerzen mit stechenden Schmerzen schon bei kleinsten Bewegungen.
Diagnosestellung
Neben einer gründlichen Untersuchung durch einen Facharzt unter Ausschluss anderer Ursachen, gehört eine Ultraschalluntersuchung und eine Röntgenuntersuchung zu den Basisuntersuchungen. Je nach Befund erfolgt zusätzlich eine MRT Untersuchung oder alternative bildgebende Diagnostik.
Konservative Therapie
Die Therapie richtet sich nach der Stärke der Beschwerdesymptomatik. Bestehen nur minimale Beschwerden, kann zunächst mittels Physiotherapie versucht werden muskuläre Dysbalancen auszugleichen und den Schultergürtel zu stärken.
Begleitend erfolgt bedarfsgerecht eine entzündungshemmende Therapie mittels Salben oder Tabletten.
Je nach Beschwerdegrad ist es notwendig eine Injektionstherapie mittels entzündungshemmenden Wirkstoffen oder auch mittels Eigenblut durchzuführen.
Alternativ oder ergänzend steht die weniger invasive Stoßwellentherapie als Behandlungsmethode zur Verfügung. Hierbei werden mittels eines Handstücks energiereiche, elektromagnetische Wellen auf das Kalkdepot und das umliegende Gewebe appliziert. Es kommt zu einer Stoffwechselanregung, zu einer verbesserten Durchblutung und Anstoßung eines Heilungsprozesses im betroffenen Sehnengewebe. Diese Effekte führen zu einer Schmerzlinderung, unterstützen den Abbau des Kalkdepots und verbessern die Beweglichkeit des jeweiligen Gelenks.
Weitere begleitende Maßnahmen bestehen in der Akupunktur und der Magnetfeldtherapie. Diese bewirken eine Schmerzreduktion sowie eine Durchblutungsförderung des entsprechenden Gewebes mit einhergehender Regeneration.
Die Wahl der jeweiligen Therapie erfolgt abhängig von der Symptomatik bzw. dem subjektivem Schmerzniveau, den Ergebnissen der bildgebenden Diagnostik und natürlich in genauer Absprache mit dem Patienten.
Operative Therapie
Sollte es unter den oben genannten konservativen Therapiemöglichkeiten zu keiner ausreichenden Besserung der Symptomatik kommen, besteht die Möglichkeit eines operativen Eingriffes.
Das Standardverfahren ist heutzutage eine arthroskopische (minimalinvasive, kameragesteuerte) Operation. Dabei werden zunächst die verkalkten Sehnenanteile aufgesucht und anschließend mittels eines „Mini-Schnitts“ eröffnet. Anschließend kann der Kalk mittels eines Sauginstruments ausgespült werden. Begleitende Pathologien (beispielsweise ein Engpasssyndrom/Impingementsyndrom) können mitadressiert werden.
Die Arthroskopie kann in der Regel ambulant durchgeführt werden. In der Nachbehandlung wird keine Bandage benötigt, die Schulter darf frei bewegt werden – ist in den ersten Tagen jedoch noch schmerzbedingt in Ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Zu Beginn ist die operierte Schulter noch anfällig für eine erneute Reizung. Belastungen sollten dementsprechend in den ersten 4-6 Wochen noch vermieden werden. Begleitende Physiotherapie erfolgt mittels manueller Therapie und Lymphdrainage und anschließender Krankengymnastik.
Dr. Buhs
Zum Abschluss dieses Blogs möchte ich Sie ermutigen, Ihre Schmerzen anzugehen. Meine Kollegen und ich begleiten Sie gerne vom Erstgespräch über eine gezielte Untersuchung und Diagnostik bis hin zu einer individuell zugeschnittenen Therapie, die Ihren Bedürfnissen entspricht.
In unserer orthopädischen, privatärztlichen Praxis am Stadtwald in Köln Lindenthal bieten wir das gesamte Portfolio der konservativen bis hin zur operativen Therapie an.
Ich stehe Ihnen gerne zur Beratung zur Verfügung, freue mich darauf, Sie persönlich kennenzulernen und auf Ihrem Weg zu einem schmerzfreien und aktiven Leben zu begleiten.